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Zum einen ist nicht sicher, ob Anleger, die in Pawlowina Holz investiert haben, in den nächsten Jahren noch ruhig schlafen können. Die Finanzgurus warten förmlich die nächste Finanzkrise und Investitionsblase. Vielleicht zerfällt der Euro in der Trump-Ära. Angesichts der wachsenden Unsicherheit auf vielen Märkten klingt es in den Ohren vieler Kleinanleger solide, ohne Umweg über einen Fonds oder Aktien in einen Baum oder eine Waldparzelle mit Pawlowina Holz zu investieren. Dessen Verkauf schafft nach einer absehbaren Zeit angeblich sichere Gewinne. Palowina Holz als Investment gilt als sicheres Investment. In Krisenzeiten sind solche Anlagemöglichkeiten besonders gefragt, vor allem, weil sie hohe Gewinne versprechen.

Fakt ist: Holzinvestments sind durchaus chancenreich – aber auch risikoreich. Niemand kann voraussagen, welchen Preis ein Rohstoff in 12 oder 20 Jahren erzielen wird. Pawlowina Holz ist nicht so hochwertig wie andere Edelholzbäume. Man kann heute kaum abschätzen, zu welchem Marktpreis es in 15 Jahren verkauft werden kann. Außerdem gilt: Ein Waldbrand genügt, um “alternative Fakten” zu schaffen. Die “Stiftung Warentest” hält Holzinvestments angesichts der unrealistisch hohen Rendite-Versprechen für hochspekulativ. Sie rät Kleinanlegern von Investitionen in Pawlowina Holz ab. Dem hält die Investmentgesellschaft “Deutsche Forst Invest” entgegen, dass Baum- oder Waldinvestments die sicherste Anlagemöglichkeit sind, die es überhaupt gibt. In gewisser Weise sind beide Aussagen wahr.

Der Haken an der Sache liegt schon darin, dass Kleinanlegern meist andere Investitionsobjekte angeboten werden als Großanlegern. Großinvestoren wie Universitätsstiftungen oder US-Pensionsfonds investieren bekanntermaßen gerne eine beträchtliche menge ihres Kapitals in Holzinvestments. Während die Gelder von Großinvestoren als relativ krisensicher angelegt gelten, sind die versprochenen Renditen der Kleinanleger oft unsicher. Kaum ein Kleinanleger kann sich leisten, 15-20 Jahre zu warten, ob seine Investition sich auszahlt oder verloren geht.

Doch auch bei den seriösen Anbietern von Bauminvestments ist Vorsicht angebracht. Es liegt an der Anlageform. Diese ist ungeeignet für Kleinanleger, obwohl sie gerade hier stark beworben wird. Laufende Erträge sind bei Bauminvestments nämlich nicht zu erwarten. Wenn alles gut geht, erhält man erst nach 15-20 Jahren die Gewissheit, ob sich die Investition gelohnt hat oder durch unbekannte Risiken als Flop erweist. Baumanlagen sind bestenfalls eine inflationssichere Geldanlage für Großanleger, da Großinvestoren nicht auf Wertzuwächse angewiesen sind. Für sie liegen die Chancen für Gewinnmaximierung meist anderswo.

Risikoreich ist auch, dass man als Kleinanleger meist nicht vorzeitig aus einem Vertrag aussteigen kann. Falls jemand an eines der Schwarzen Schafe geraten ist, wird es ohne Anwaltskosten nicht abgehen. Bei den meisten so erzielten Vergleichen macht der Kleinanleger auf alle Fälle Verlust. Der Traum vom Baum-Direktinvestment wurde so für viele Kleinanleger schon zum Albtraum.

Die Negativ-Erlebnisse von Kleinanlegern reichen von

– mangelnder Transparenz bei den abgeschlossenen Verträgen
– absichtsvoll verzerrt dargestellten Rechenbeispielen zum Überzeugen der Kunden
– überteuerten Einstiegspreisen
– falschen Angaben über die Plantagengröße
– überzogenen Wachstumsprognosen für die Parzelle
– mangelnden oder fehlenden Angaben über die Anlagerisiken
– hohen Provisionen und überzogenen Vermittlungsgebühren
– versteckten Gebühren wie Baumpflegekosten oder Aufforstungskosten

bis hin zu kompletten Kapital- und Rendite-Verlusten durch Borkenkäfer-Invasionen, Baumkrankheiten, Waldbrände, durch Pilzbefall absterbende Bäume, Baumschäden durch Bodenerosion oder andere Katastrophen. Zudem zahlen die Anleger auch für die Hochglanz-Werbung, die die Anbieter im eigenen Interesse machen. Branchenkenner vermuten, dass nur ein gewisser Teil des Investments von Kleinanlegern tatsächlich wie gewünscht investiert wird.